Willkommen auf der Homepage der FAU Bern
DE|EN|ES


Roche feuert polnischen Gewerkschafter!


Die Entlassung des Polen Jakub G. hatte sich der Basler Pharmamulti Roche wohl ein bisschen einfacher und ruhiger vorgestellt. Doch seit einem Vierteljahr verfolgt die Geschichte den Konzern um die ganze Welt. An einem Tag taucht sie in Bratislava auf und am nächsten in Melbourne, sogar an ihrem Hauptsitz wird Roche mit Protesten konfrontiert.

Spardruck auf IT_Abteilung

Jakub G. ist Mitglied bei der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft Zwiazek Syndikalistów Polski (ZSP) und arbeitete in der IT-Abteilung von Roche in der Warschauer Niederlassung. Diese Abteilung wurde bereits vor einigen Jahren nach Polen verlagert, um die Kosen für den Konzern niedrig zu halten. Doch nach ein paar Jahren reichte die Einsparung nicht mehr aus und es wurde weiter gespart. Diese Sparübung ging gänzlich auf Kosten der Arbeiter_innen: Statt über normale Verträge direkt bei der Firma, wurden sie als Scheinselbstständige oder über eine Briefkastenfirma angestellt. Durch diese Art der Anstellung verlieren die Arbeiter_innen jegliche Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen, sowie den Anspruch auf bezahlte Ferien/Freitage und Kündigungsabfindungen, welche Festangestellten zustehen.

Entlassen ohne Angabe von Gründen

Jakub wurde am 19. Dezember ohne Angabe von Gründen und fristlos entlassen. Roche weigerte sich übrigens bis zum heutigen Tag einen Grund für die Entlassung zu nennen. Es gibt aber zwei zusammenhängende Vermutungen, wieso er gehen musste. Die erste ist folgende: Am Tag zuvor erschien ein Artikel in einer Tageszeitung, in welchem er namentlich in einem Artikel über die Mieter_innenbewegung in Warschau erwähnt wurde. Diese Bewegung wehrt sich gegen den Verkauf von Häusern mit günstigem Wohnungen an Immobilienspekulanten. Durch diesen Artikel wurde den Chefs bei Roche bewusst, dass sie unter den prekär Angestellten ein Mitglied einer kämpferischen Gewerkschaft haben. Die zweite Vermutung geht von dort aus: Da die ganze IT-Abteilung, wie jetzt bekannt wurde, ausgelagert werden soll, mussten alle potenziellen "Unruhestifter_innen" aus der Belegschaft entfernt werden - und Jakub war der Firma ja jetzt sogar namentlich bekannt.

Weltweite Solidarität

Jakub kämpft seit dem Dezember gegen seine Entlassung und für die Rechte der prekärisierten IT-Arbeiter_innen. Er fordert dass Roche nicht nur ihm rückwirkend alle Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen und Lohnzuschläge nachbezahlt, sondern fordert dies und die Einführung dieser Zahlungen auch für seine ehemaligen Arbeitskolleg_innen.

Seit die Kampagne von der ZSP lanciert wurde, fanden mehrere Aktionen in Warschau und Poznan statt, aber auch in anderen Ländern wurden die Forderungen von Jakub und der ZSP aufgegriffen: Aktionen fanden bisher in Basel, Bratislava, Brisbane, Melbourne und Moskau statt. Und weitere werden sicher noch folgen.

smf

weitere Infos: Roche entlässt Gewerkschafter

Homepage der ZSP

19.04.12


Solidarität mit den streikenden ABB-Arbeitern in Córdoba!


34 Temporärabeiter_innen des Dienstleitungsunternehmens EULEN, die seit Jahren für den schweizerisch-schwedischen Maschinenbauer ABB (in Córdoba) arbeiten, befinden sich seit dem 28.11.2011 in einem unbefristeten Streik für gleichen Lohn. Obwohl sie die gleiche Arbeit wie ihre Mitarbeiter_innen gemacht haben, erhielten sie nur den Mindestlohn und ihnen wurden weniger Rechte zugestanden.

Jetzt hat ABB den Vertrag mit EULEN gekündigt und billige Leiharbeiter_innen als StreikbrecherInnen von Eurocen/ADECCO angeheuert. EULEN hat die Mitglieder des Streikkomitees sowie sämtliche Gewerkschafter_innen unter den Streikenden entlassen. In Spanien werden die Streikenden von den Gewerkschaften CNT und CGT unterstützt.

Dem Aufruf der CNT Solidaritätsaktionen durchzuführen, ist auch die FAU Bern gefolgt. Eine Aktion gab es bereits am 07. Februar bei den Büros von Adecco im Wankdorfstadion. Die Wenigen, welche bei klirrender Kälte zu Adecco wollten, wurden mit Flugblättern und dem Transparent mit der klaren Botschaft "Adecco = Streikbrecher!" empfangen.

Weitere Aktionen werden noch folgen.

Die IAA rufte für den 17. Februar zu einem weltweiten Unterstützungstag auf: Aufruf auf der IAA-Homepage (Englisch)

weitere Infos zum 17.02.: Europaweite Solidarität mit Eulen/ABB-Arbeiter_innen

Solidaritätsaktionen der FAU und der ZSP

16.02.12


Hundert Jahre GAV - ein Anlass zum feiern?

Vor hundert Jahren wurden in der Schweiz die Gesamtarbeitsverträge eingeführt, dies musste am 24. November 2011 natürlich ausgiebig gefeiert werden. Die Arbeitgeberverbände und die Arbeitnehmerverbände, die sogenannten „Sozialpartner“, sassen in einträchtiger Seligkeit nebeneinander im Festsaal und lauschten stolz und ergeben einer Rede vom Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (der selber auch Unternehmer ist). Schneider-Ammann sprach davon, dass schlussendlich jeder GAV auf einer sozialpartnerschftlichen Vertrauensbasis beruhe. Dieses Vertrauen könne aber nicht einfach eingefordert werden, es müsse immer wieder neu verdient werden: „Vertrauen schenkt man sich dann, wenn man sich aufeinander verlassen kann“.

Dieser Satz stimmt in jeglicher Hinsicht. Aber nur wenn wir uns vergegenwärtigen für wen. Die Arbeitgeber_Innen sind in den letzten Jahren mehr als sonst bemüht Verträge zu unterlaufen (wie zum Beispiel Die Post und die ewb (-> di schwrzi chatz #15) auf ihren Baustellen), Löhne zu kürzen (wie der Baumeisterverband dies im neuen LMV (-> di schwarzi chatz #15) versucht), die Löhne in Euro auszuzahlen (wie es zum Beispiel die Mopac (-> work Online) versuchte) und Arbeiter_Innen trotz guten Geschäftszahlen zu entlassen (wie aktuell gerade Huntsman und Novartis) oder kurz gesagt: ihr Geschäftsrisiko auf die Arbeiter_Innen abzuwälzen. Wie kann da von „Vertrauen“ von „fair“ und von „Sozialpartnerschaft“ gesprochen werden?

Unter den Arbeiter_Innen steigt auf Grund dieser Verarschungen und Wortbrüchen immer mehr der Unmut, es entstehen deswegen Ansätze selbstverwalteter Arbeitskämpfe (wie in Deisswil und Domat/Ems (-> di schwarzi chatz #11)) und immer mehr können die Zentralgewerkschaften den Ruf nach Streik nicht unterdrücken. Trotzdem gehen in der Schweiz, wie die NZZ freudig festhält, „äusserst wenige Arbeitstage durch Streiks verloren.“

Auf wen bezieht sich also der Satz des Bundesrats? Es bleibt noch eine dritte Partei übrig: Die Zentralgewerkschaften. Auf sie ist Verlass, ihnen können die Arbeitgeber_Innen und sollen die Arbeiter_Innen Vertrauen. Sie wahren den sozialen Frieden der Arbeitgebenden, der laut Schneider-Ammann „ein wichtiger Vorteil für den Wirtschaftsstandort Schweiz ist“. Die krude Ideologie dieser „Gewerkschaften“ offenbart sich in besonders absurder Weise auf der Homepage des Schweizerischen Papierarbeiterverbands (SPV): So sind zum Beispiel die Gewinne der Bosse wichtiger, als die Solidarität mit streikenden finnischen Arbeiter_Innen: „Betont doch der Chef von M-real Biberist Nicolas Mühlemann zu Fragen betreff[end] dem Streik in Finnland: 'Diese Situation bringt wieder einmal einen wesentlichen Vorteil der Schweiz zum Vorschein: den Arbeitsfrieden! So ein Szenario ist in unserer Fabrik kaum vorstellbar. Ich bin überzeugt, dass sich damit auch unsere Position innerhalb des Konzerns erneut stärkt! Man könnte also sagen, dass wir vom Streik auf zwei Arten profitiert haben.'“

Der SPV ist so sehr im Denkschema der Bosse gefangen, dass auf ihrer Homepage sogar folgende Sätze stehen: „Eine Gewerkschaft mit zuviel Macht kann einen Betrieb ruinieren. Auch hier gilt Mitbestimmen heisst auch Mitverantwortung und Mitbezahlen. Welche Gewerkschaft kann das heute noch?“

Doch auch wenn die Gewerkschaften weniger von den Firmen gesteuert werden, als der SPV, ändert sich das Bild kaum. Die grösste Zentralgewerkschaft in der Schweiz die Unia, die Neumitglieder fast nur über ihre Rechtsschutzversicherung anlocken kann, leistet sich fast ebenso drastische Wortbrüche gegenüber den Arbeiter_Innen, wie die Arbeitgebenden. Von der Belegschaft der Karton Deisswil wurde zum Beispiel ein Blankomandat gefordert, um einen „guten und vorbildlichen“ Sozialplan zu verhandeln. Im Endeffekt hat bis heute noch niemand den Sozialplan gesehen, geschweige den ganzen Wortlaut gelesen. Und ausgezahlt wurde der Sozialplan auch niemandem, da dieser anscheinend extrem lückenhaft ist. (Nachzulesen in: Der geplante Tod einer Fabrik)

Was bleibt also zu feiern an den GAV? Das Streikverbot? Das gnädigerweise instiutionalisierte Recht Kollektivverträge zu erkämpfen? Dass die GAV theoretisch nicht unterlaufen werden dürften? Zu feiern gibt es zum Thema GAV nur für andere: Für die Bosse, die in Ruhe von unserer Arbeitskraft profitieren dürfen und für die oberen Gewerkschaftsfunktionäre, die sich dank GAV ihren nicht gerade mageren Lohn finanzieren können.

smf

24.11.11


"Echtzeit" Internet-Überwachung ab 01.08.09

"Der Staat liest Diskussionen in Chats oder Einträge in Foren mit, hört bei Gesprächen über Dienste wie Skype mit oder guckt zu, sobald die Person eine Webcam aktiviert."

--> WOZ | indymedia | Heise | inside-it.ch | blogg.ch | fuellhass | NZZ | Tagesanzeiger

Dagegen KANN nützen: Dienste immer nur verschlüsselt ansprechen, E-Mail/Chat/... Verschlüsselung verwenden, sich informieren und Leute darauf aufmerksam machen, Projekte wie nadir.org, so36.net, riseup.net, autistici oder immerda moralisch, technisch, finanziell oder andersweitig Unterstützen usw. Danke!

25.07.09


Berichte zur globalen Krise

INTERNATIONAL

Die Zeitschrift Wildcat hatte Leute in verschiedenen Ländern gebeten, ihre Beobachtungen zu den Auswirkungen der Krise aufzuschreiben. Die bisher veröffentlichten Berichte haben wir hier verlinkt, weitere werden folgen.

England - »Die Arbeitsplatzverluste haben noch nicht einmal richtig angefangen.« - und: »Anti-soziale Solidarität« (kompliziert)

Rumänien - Die Rückkehr der »Erdbeerpflücker«

Kalifornien - Leben mit der Krise

Indien - Die globale Krise in Indien

Spanien - Backsteine, Blasen und Bankrott

Polen - Exportplattform im Sturzflug

China - China in der Krise: Grund zur Panik?

»Das Auto am Ende« - Zur tiefen Krise der Autoindustrie und des Autos an sich.

Weitere Berichte hat's in der aktuellen Ausgabe der Wildcat (kann per Email bei uns bestellt werden).

SCHWEIZ

Die Wochenzeitung WOZ führte in verschiedenen Kantinen Gespräche mit betroffenen ArbeiterInnen. Wir haben diese Kantinengespräche hier verlinkt, weil wir sie sehr interessant und wichtig finden:

»Bummeln liegt nicht drin« - Über den Arbeitsdruck eines Tramchauffeurs, einer Spitexpflegerin und einer UBS-Verwaltungsrätin.

»Da tickt eine soziale Zeitbombe« meint ein RAV-Berater im Interview mit der WOZ.

»Wenn das Vertrauen erodiert« - Gespräch mit Mitarbeitern der Georg Fischer AG (Metallindustrie) über anstehende Massenentlassungen.

»Alle auf Koks?« - Gespräch mit einem entlassenen Versicherungskaufmann der Swiss-Re.

»Ohne Dächlikappen, ohne Fahnen« - Über Entlassungen bei der Basler Zeitung.

»Wenn der Faden reisst« - Über Entlassungen bei der Textilmaschinenfabrik Benninger in Uzwil und die Krise in der Textilbranche. Update: Ende April 09 wurde Interviewparter Ernst G. aufgrund des Interviews entlassen!

»Weihnachtsguezli an Ostern« - Die zunehmende Verarmung bringt Caritas-Märkten Rekordumsätze ein: Seit 2006 hat sich die Zahl ihrer KundInnen verdoppelt.

»Blaue Lippen, rote Nasen« - Ein Vermögensverwalter berichtet von seinem Job.

»Als schlanke Braut zur Post« - Eine Zeitungsausträgerin der Zuvo AG berichtet. Die Firma will 2261 ArbeiterInnen die Löhne massiv kürzen.


Sehr empfehlenswert auch:

Wildcats »23 Thesen zur kapitalistischen Krise«

Der Blog global revolt mit einer knackigen Broschüre zum download

...und immer wieder Welt in Umwälzung mit täglich aktualisierten Berichten von sozialen Kämpfen in Asien.

21.02.09


Der geplante Tod einer Fabrik. Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil

Das 'Netzwerk Arbeitskämpfe' hat bereits in Dezember 2010 ein sehr interessantes Buch zum Kampf um die Kartonfabrik Deisswil herausgebracht. Es beleuchtet die Hintergründe der Schliessung und die Wahrnehmung des Kampfes durch die Arbeiter.

Jemand kauft eine Fabrik und verpflichtet sich, sie nicht zu betreiben. Eine funktionierende, rentable Kartonfabrik mit einer hoch motivierten Belegschaft, die keinen Karton mehr herstellen darf. Was wie eine erfundene Geschichte anmutet, hat sich im Frühsommer 2010 im bernischen Deisswil in der Schweiz genau so abgespielt.

Das Buch «Der geplante Tod einer Fabrik - Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil» zeichnet diese Geschichte nach. Das Herzstück besteht aus Gesprächen mit elf Arbeitern der ehemaligen Karton Deisswil AG.

Netzwerk Arbeitskämpfe: Der geplante Tod einer Fabrik. Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil, a propos Verlag Boll 2010, 225 Seiten. Preis: 13.50 - ISBN 978-3-905984-02-6

Erhalten könnt ihr das Buch über den Buchhandel oder direkt beim a propos Verlag.

20.11.10


Weitere Meldungen findest du im Archiv

Newsletter
abonnieren
Email:

Gericht verfügt Freilassung von Laura Gómez

geschrieben von FAU-Bern
am 17.05.12, 23:08

1200 indische Arbeiter in Angola festgesetzt!

geschrieben von FAU-Bern
am 17.05.12, 22:59

Opel-Werk Bochum gefährdet

geschrieben von FAU-Bern
am 17.05.12, 22:37

Bremen: Kundgebung gegen Leiharbeitsmesse

geschrieben von FAU-Bern
am 16.05.12, 15:03

Verhaftungswelle in Spanien

geschrieben von FAU-Bern
am 16.05.12, 15:00

Bild:immerdabanner.png

FAU - Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union Bern, admin@faubern.ch, www.faubern.ch