Überblick über deine Rechte

Dies ist eine kleine Zusammenfassung des Landesgesamtarbeitsvertrags 2017 in der Gastronomie. Wir erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf Korrektheit.

Mindestlohn (Normalbetriebe 42h/Woche)

Bruttolöhne ohne Ferien- und Feiertagszuschläge. Ausgenommen sind Vollzeitstudent_innen und Personen in Förderprogrammen

Stufe Ia= 3417.- (bzw. mit Einführungsrabatt 3144.-) Dies bedeutet einen Stundenlohn von 18.77.- (17.27) ohne Zuschläge, 21.20 (19.50) mit Ferien- und Feiertagsentschädigung

Stufe IIIa = 4120.- (bzw. bei erstmaliger Anstellung 3790.-). Dies bedeutet einen Stundenlohn von 22.64 (20.82) Ohne Zuschläge, 25.56 (23.51) mit Ferien- und Feiertagsentschädigung.

 

Umsatzbeteiligung: Auch bei Umsatzbeteiligung muss der Mindestlohn eingehalten werden, sprich: der Lohn mit Umsatzbeteiligung darf nicht geringer sein als der (anteilsmässige) Mindestlohn. Es zählt nur der jeweilige Monat, ein Ausgleich mit anderen „guten“ Monaten ist nicht zulässig.

13. Monatslohn

Es besteht generell ein Anspruch auf einen vollumfänglichen 13. Monatslohn, bzw. Anteilsmässig wenn du nicht das ganze Jahr angestellt bist. Im Stundenlohn beträgt der Anteil 8.33% des Bruttolohnes. Wenn während der Probezeit gekündet wird, verfällt der Anspruch auf den 13. Monatslohnanteil.

Lohn bei Unfall etc.

Wichtig: Wenn du wöchentlich weniger als 8 Stunden bei einem Betrieb arbeitest, bist du nicht versichert gegen Nicht-Berufsunfälle! Dann musst du Privat eine Unfallversicherung abschliessen.

Für ein Selbstverschulden bei Krankheit und Unfall braucht es eine sehr grobe Fahrlässigkeit (z.B. betrunken Autofahren). Sonst muss dein Chef zahlen!

Im Krankheitsfall kriegst du während maximal 60 Tagen im Kalenderjahr 88% des Durchschnittslohns, danach kriegst du Krankentaggeld über 80% des Lohnes

Bei einem Unfall muss dir der Chef in den ersten 2 Tagen 88% des Lohnes bezahlen. Falls du Unterstützungspflichtig bist, also gegenüber Ehegatt_innen oder (Stief- und Pflege-)Kindern, dann kriegst du 100% des Lohnes für die Dauer der Berner Skala (siehe Unten).

Arztzeugnis: Ab dem vierten Tag brauchst du zwingend ein Arztzeugnis, je nach Versicherer_in kann dies jedoch schon ab dem 1. Tag verlangt werden. Ohne Arztzeugnis kann dir die Leistung verweigert werden, bzw. zurückverlangt werden.

Wenn du Mutter wirst, kriegst du 98 Tage nach der Geburt 80% des Lohnes. Ab dem Zeitpunkt, wo du vor der Geburt „krank“ geschrieben wirst, kriegst du Krankengeld bis zur Geburt selbst.

Auch die Pflege von Angehörigen („Unterstützungspflicht“) gilt als unverschuldete Verhinderung. Auch die Ausübung eines öffentlichen Amtes muss entlöhnt werden, wenn du keine andere Wahl hast (z.B. Stimmenzählen).

Berner Skala

im 1. Jahr (über 3 Monate, tatsächlich oder vereinbart) 3 Wochen

im 2. Jahr 1 Monat

im 3. und 4. Jahr 2 Monate

im 5. bis 9. Jahr 3 Monate

im 10. bis 14. Jahr 4 Monate

im 15. bis 19. Jahr 5 Monate

im 20. bis 25. Jahr 6 Monate

 

Zivildienst, -schutz, und Militärdienst: Falls dein Aufgebot weniger als 26 Tage pro Jahr dauert, hast du Anspruch auf 100% des Lohns. Ab 26 Tagen hast du Anspruch auf 88%, aber auch wieder abhängig von der Berner Skala.

 

Arbeitszeit

Essenszeit: Gilt nicht als Arbeitszeit und beträgt mindestens 30 Minuten. Wenn du dabei jedoch auf Piket bist, dich also zur Verfügung halten musst, zählt es als Arbeitszeit. Auch Präsenzzeit, also wenn du rumsitzen musst, zählt dies auch als Arbeitszeit, solange du nicht frei über deine Tätigkeit verfügen kannst.

Überstunden: Arbeitsstunden, welche über die jeweilige Wöchentliche Arbeitszeit hinaus gehen (42h//43,5h/45). Diese können „innert nützlicher Frist“ durch Freizeit abgegolten werden oder bezahlt werden. Dies zu einem Satz von 100%, wenn Arbeitszeiterfassung gemäss L-GAV vorhanden ist.

125% sind erst zwingend wenn die Arbeitszeit nicht laut Artikel 21 des L-GAV erfasst wird;

- die Überstunden nicht jeden Monat kommuniziert werden;

- Überstunden nach der letzten Lohnzahlung abgegolten werden.

Es dürfen maximal 200 Überstunden angehäuft werden, sonst muss der Überschuss zwingend ausbezahlt werden.

Überzeitarbeit liegt vor, wenn pro Woche mehr als 50 Stunden gearbeitet wird. Dann ist ein Satz von 125% nötig, Freizeitkompensation ist nur möglich, wenn die Mitarbeitenden zustimmen.

Ruhetage: Es gilt ein Anspruch auf 2 Tage pro Woche, am besten zusammenhängend. Sonst mindestens 1 ganzer Tag und 2 Halbtage (entweder bis 12.00 Uhr oder ab 14.00 Uhr). Nicht bezogene Ruhetage sind innerhalb von 4 Wochen zu kompensieren. Eine „Auszahlung“ von Ruhetagen ist verboten. Menschen mit Familien haben Anspruch auf 12 freie Sonntage pro Jahr.

Arbeitsplan, -Kontrolle und -Erfassung

Normalerweise 2 Wochen vorher müssen die Schichten feststehen. Nachträgliche Änderungen müssen abgesprochen werden, ausser in dringlichen Fällen. Zwar sollen deine Freiwünsche berücksichtigt werden, jedoch darf dein Chef frei darüber entscheiden, ob er diese berücksichtigt. Denn oberstes Gebot ist „das Interesse des Betriebs“.

Du kannst jederzeit Auskunft über deine bisherigen Arbeits- und Ruhezeiten, Feiertage und Ferienguthaben verlangen.

 

Ferien

Allgemein 5 Wochen (2,92Tage/Monat). Zwangsferien müssen 1 Monat vorher angekündet werden, ausser wenn gekündet wurde oder in den letzten 2 Monaten des befristeten Arbeitsverhältnis. Nach der Kündigung gilt eine Entschädigung von 1/30 des Bruttolohnes auf verbleibende Ferientage. Diese können unter Umständen auch pro Monat mit 10.65% abgegolten werden, dies darf jedoch nicht gegen das Abgeltungsverbot verstossen. Ein allfälliger Ferienanteil am Stundenlohn muss separat ausgewiesen werden.Mindestens einmal pro Jahr sind 2 Wochen am Stück zu gewähren.

Bezahlte arbeitsfreie Tage

Nur, wenn sie auf Arbeitstage fallen:

- Hochzeit oder Eintragung der Partner_innenschaft: 3 Tage

- Hochzeit von Eltern, Geschwistern und Kindern: 1 Tag

- Vaterschaftsurlaub: 5 Tage

- Todesfall der Ehe- oder eingetragenen Partner_in, eines Kindes, der Eltern, Schwiegereltern, Grosseltern, oder Geschwistern; von Tod bis zur Bestattung: 1 bis 3 Tage

- Rekrutierung: so lange wie Aufgebot, also maximal 3 Tage

- Umzug in Region (z.B. gleicher Ort oder Aglo-Stadt): 1 Tag

- Umzug bei weiter Entfernung: 1,5 - 2 Tage

- Nach Kündigung für die Stellensuche: maximal 2 Tage

 

Kleidung

Als Berufskleidung gelten Kleidungsstücke:

- mit Logo

- Kochwäsche

- Westen und Schürzen im Service

Hemd und Hosen ohne Logo zählen nicht als Berufskleidung

Der Betrieb ist verpflichtet, deine Arbeitskleidung zu reinigen und zu glätten, wenn er dies nicht kann, muss er dir eine monatliche Entschädigung bezahlen, falls du fürs waschen zuständig bist und zwar (für 100%-Anstellung, sonst Anteilsmässig):

- Kochwäsche, Serviceswesten : 50 CHF/Monat

- Serviceschürzen: 20 CHF/Monat

sexuelle Belästigung

Laut Gleichstellungsgesetz:

„Diskriminierend ist jedes belästigende Verhalten sexueller Natur oder ein anderes Verhalten aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit das die Würde von Frauen und Männern am Arbeitsplatz beeinträchtigt. Darunter fallen insbesondere Drohungen, das Versprechen von Vorteilen, das Auferlegen von Zwang und das Ausüben von Druck zur Erlangung eines Entgegenkommens sexueller Art“.

Es gibt verschiedene Formen sexueller Belästigung, welche besonders in der Gastronomie keine Seltenheit sind. Diese kann von Gästen, Kolleg_innen oder Vorgesetzten selbst kommen.

 

Dein Chef ist verpflichet, die Integrität deiner Person zu gewährleisten. Weiter müssen vorgesetzte alles ihnen Mögliche unternehmen, dass sexuelle Belästigung nicht geschieht und Betroffenen keine weiteren Nachteile entstehen .

betriebsintern: Sprich die tätliche Person direkt an (eventuell mit einer weiteren Person, dann hast du einerseits ein_e Unterstützer_in und auch ein_e Zeug_in). Mache ihr klar, wo deine Grenzen sind, und wie diese überschritten wurden und dass dies aufhören muss. Generell ist ein Austausch mit Kolleg_innen ratsam, wahrscheinlich bist du nicht die einzige Person, welche sexuelle Belästigung erlebt (hat). Falls all dies nicht nützt, beschwere dich schriftlich (!) bei deinem Chef. Sollte dir danach „grundlos“ gekündet werden, da du dich beschwert hast, ist die Kündigung missbräuchlich.

Falls dein Chef blockt, nichts tut um die Situation zu verändern oder gar selbst tätlich war, kannst du dich an die kantonale Schlichtungsstelle wenden. Das Verfahren an sich ist kostenlos, wenn du unterliegst musst du jedoch deine und möglicherweise die Anwalt_innenkosten der Gegenseite tragen.

Alternativ kannst du auch vor Gericht ziehen. Dort musst du glaubhaft beweisen, dass die Vorfälle passiert sind (deswegen schriftliche Protestschreiben und Zeug_innen). Falls dies gelingt, muss dein Chef beweisen können, dass er_sie alles getan hat, um die Übergriffe zu verhindern oder zu beenden.

 

weiterführende Links:

www.sexuellebelaestigung.ch

 

Kündigung

Kündigungen können grundsätzlich – mit Einhaltung der Kündigungsfristen – auch mündlich erfolgen. Empfohlen wird jedoch eine eingeschriebene Kündigung zwecks Beweislast.

Kündigungsfristen (falls nicht anders vereinbart):

- Probezeit: 7 Tage (gesetzlich) , 3 Tage (L-GAV)

- 1.-5. Dienstjahr: 1 Monat

ab dem 6. Dienstjahr: 2 Monate

Die Kündigung muss spätestens am letzten des Monats empfangen werden. Wenn du auf eine längere Frist hin kündest (z.B. ein Monat während der Probezeit), ist es möglich, dass dir die Gegenseite eine Gegenkündigung mit einer kürzeren Frist überreicht!

Befristete Verträge, sind nur vorzeitig kündbar, wenn dies im Arbeitsvertrag so geregelt wird.

Kündigungen müssen nicht begründet werden, du kannst jedoch eine solche Verlangen.

In gewissen Fällen gibt es Sperrfristen, jedoch erst nach der Probefrist:

- Zivildienst etc.: während dem Dienst und falls dieser länger dauert als 11 Tage, je vier Wochen vor- und nachher.

- Krankheit und Unfall (nicht selbstverschuldet):

1. Jahr: 30 Tage

2-5 Jahr: 90 Tage

ab dem 6. Jahr: 180 Tage

- Während der Schwangerschaft und 16 Wochen nach der Geburt

Wenn dir während dieser Sperrfristen gekündet wird, ist die Kündigung nichtig, muss also wiederholt werden. Wenn dir vorher gekündet wird, verlängert sich die Kündigung höchstens um diese Tage.

Missbräuchliche Kündigungen:

Grundsätzlich wegen Alter, Geschlecht, Sexueller Orientierung, Religion, politischer Gesinnung. Ausgenommen davon sind „Tendenzbetriebe“, welche eine bestimmte Geisteshaltung vertreten: Z.B. die Heilsarmee oder Greenpeace.

Kündigung aufgrund verfassungsmässiger Rechte ist auch missbräuchlich. Also wenn dir der Chef aufgrund einer Demoteilnahme oder einer gewerkschaftlichen Organisation kündet, ist dies missbräuchlich, solange diese Tätigkeit nicht die Einhaltung deiner Arbeitsverpflichtungen tangiert.

In der Praxis gibt es auch Rachekündigungen: Wenn du z.B. Mobbing ankreidest und dir dadurch gekündet wird. Ein grosses Problem ist dabei die Beweispflicht. Du musst also Beweisen, dass dein Chef dir aus missbräuchlichen Gründen gekündet hat. Falls du also arbeitsrechtliche Kämpfe führst, tu dies am besten in Schriftlicher Form und sammle Beweise.

Wenn du einen Arbeitskampf wegen einer missbräuchlichen Kündigung gewinnst, heisst das jedoch noch lange nicht, dass dich der Betrieb weiterhin beschäftigen muss.

 

 

weiterführende Links:

- Landesgesamtarbeitsvertrag Gastronomie: http://www.l-gav.ch/

- www.sexuellebelaestigung.ch

 

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