Buchpräsentation «iSlaves: Ausbeutung und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken»
Mit Ralf Ruckus, Herausgeber und Übersetzer des Buches.
Freitag, 28. Juni 2013, 19.30 Uhr | Infoladen der Reitschule Bern, Neubrückstrasse 8
Der taiwanesische Konzern Foxconn beschäftigt allein in China mehr als eine Million Menschen. Als weltweit grösster Auftragsfertiger für Elektronik produziert Foxconn für Apple und andere Marken. Foxconns Arbeiter_innen sind die iSlaves, die unsere Kommunikationsspielzeuge wie iPhones und iPads unter miesen Bedingungen herstellen müssen. 2010 kam es in den chinesischen Fabriken zu einer Serie von Selbstmorden. Pun Ngai und andere chinesische Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen analysierten daraufhin die Arbeitsbedingungen und veröffentlichten ihre Ergebnisse 2011 in einem Buch, das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Das Buch besteht aus Erzählungen von Arbeiter_innen und analytischen Kapiteln der Autor_innen, die einen Einblick in das System Foxconn bieten. Die Arbeiter_innen schildern die Verlagerung ihrer Fabriken ins chinesische Hinterland, ihre fortgesetzte Ausbeutung, den Einsatz «billiger» Praktikant_innen, die Vertuschung der vielen Arbeitsunfälle und das militärische Fabrikregime. Das Buch liefert neues Material gegen die heile Welt der digitalen Konzerne Foxconn, Apple und Co. und fordert unsere solidarische Unterstützung des Widerstandes der ArbeiterInnen in China ein.
Ralf Ruckus wird auf die Situation in den Foxconn Fabriken eingehen und das Buch vorstellen, mit anschliessender Debatte.
Die Buchpräsentation wird in Zusammenarbeit mit Debatte Forum organisiert.
Link zum Buch: iSlave: Ausbeutung und und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken
08.05.13
105 Tage Streik im Neuenburger Spital La Providence
Tag 33 der Entlassungen
Seit über zwei Monaten wird im Krankenhaus "La Providence" in Neuchâtel gestreikt. Die Forderungen der Strekenden: den GAV "santé 21" einhalten, die Auslagerung von nicht-medizinischen und nicht-pflegerischen Tätigkeiten stoppen und den geplanten Stellenabbau stoppen.
Am 5. Februar wurden kurzerhand 22 Streikende entlassen. Der Kampf von Seiten der Regierung und der Krankenhausdirektion spitzt sich zu. Eine entsprechende Antwort darauf und die Verbreitung der Solidarität sind unbedingt gefragt.
Seit dem 26. November streiken die Angestellten des Spitals La Providence in Neuchâtel bereits. Die Kälte hält sie nicht davon ab, weiterhin für ihre Forderungen (Beibehaltung des Gesamtarbeitsvertrags Santé 21; Keine Entlassungen; Kein Outsourcen) einzustehen. Das Spital „La Providence“ besteht seit vielen Jahrzehnten und ist als privatrechtliche, nicht gewinnorientierte Stiftung organisiert. „La Providence“ steht auf der Spitalliste des Kantons Neuenburg und verfügt über einen Leistungsauftrag des Kantons. Der Kanton zählt somit dieses Spital zur Grundversorgung seiner Bevölkerung, zahlt deshalb Subventionen und hat es zur Sicherstellung guter Arbeitsbedingungen dem erwähnten GAV unterstellt.
Am Mittwoch, dem 12. Dezember gingen die Streikenden zum Neuenburger Staatsrat und forderten die Umsetzung der Volksmotion, welche eine Woche zuvor vom Grossrat angenommen wurde. Die Motion unterstützt die Forderungen der Streikenden und verlangt vom Grossrat alle Hebel in Bewgung zu setzen, um diese umzusetzen. Die Forderungen der Streikenden umzusetzen ist für den Grossrat eigentlich simpel. Es genügte eine vom selben Gremium erlassene Verordnung umzusetzen. Diese verpflichtet alle Spitäler, welche der Grundversorgung dienen (und also in der kantonalen Liste der Spitäler aufgeführt sind), den GAV Santé 21 einzuhalten. Der Staatsrat hat den Streikenden nicht geantwortet, liess aber verlauten dass er diesen Punkt anlässlich der Ratssitzung am Mittwoch, 19. Dezember behandle und den Streikenden danach Antwort gäbe.
Die Streikenden beschlossen:
- Eine Jurte auzustellen, um in den eisigen Temperaturen besser ausharren zu können
- Am 18. Dezember zu demonstrieren, um die Unterstützung der Bevölkerung für die legitimen Forderungen des Streiks aufzuzeigen
- Von der schweizweiten Dachorganisationen die Organisation einer schweizweiten Demonstration gegen Lohndumping und Abbau im Gesundheitswesen im Januar zu fordern
Gleichzeitig versucht der Arbeitgeber weiterhin die Streikenden einzuschüchtern: Er reichte eine Klage gegen den Streik ein und verlangte das Verbot einer Aktion, welche für den 11. Dezember vorgesehen war. Zusätzlich sollen die Streikposten verboten werden. Das Gericht entschied aber, dass die Aktion stattfinden darf. In Bezug auf die Streikposten fällte das Gericht noch kein Urteil und vertagte sich auf den 20. Dezember.
Nach der Räumung des Streikzelts durch die Polizei (siehe hier) und einem temporären Asyl vor der katholischen Kirche, haben die Streikenden jetzt ein neues Streikzelt im Jardin Anglais aufgestellt
weitere Infos:
- Medienmitteilung von VPOD und Syna vom 20. Dezember
- Facebook-Gruppe "Pour le maintien de la CCT Santé 21 à La Providence"
15.12.12
Wroclaw (Polen): LG-Zulieferer Chung Hong feuert aktiven Syndikalisten - Belegschaft streikt
Krzysztof Gazda, Mitglied der Inicjatywa Pracownicza (IP), wurde am 28. Juni von seinem Arbeitgeber Chung Hong Electronics, einem Zulieferer des Elektronikriesen LG, gekündigt. Hintergrund ist ein nun schon mehrere Monate anhaltender Konflikt um höhere Löhne. Als Kündigungsgrund gibt die Firmenleitung nun an, Krzysztof Gazda habe die laufende Streik-Urabstimmung organisiert und an einer Kundgebung vor dem Fabriktor teilgenommen. In den Augen der Bosse ist dies ein Verstoß gegen das laufende Schlichtungsverfahren. Die IP dagegen sieht die Kündigung als klaren Bruch der Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze an. Chung Hong gehe es nur darum, eine aktive Gewerkschaftsgruppe zu zerschlagen und die übrigen Beschäftigten einzuschüchtern.
Chung Hong produziert in einer der vielen Freihandelszonen Polens und ist fast vollständig steuerbefreit. Nach Aussagen von IP-Aktivisten sind die ArbeiterInnen die einzigen, die dort Steuern zahlen, durch ihre Lohnsteuer. Die Beschäftigten selbst haben meist nur befristete Verträge bzw. sind bei Leiharbeitsfirmen angestellt. Der Monatslohn liegt zwischen 335 und 360 Euro. LeiharbeiterInnen verdienen sogar noch weniger.
Sofort nach Bekanntwerden der Kündigung solidarisierten sich die Krzysztofs KollegInnen mit ihm und traten in den Streik. Die Inicjatywa Pracownicza organisierte am folgenden Tag die ersten Streikposten und es gelang ihr, die Produktion an diesem Tag lahmzulegen. Am folgenden Montag waren zur Frühschicht weitere Streikposten geplant. Aufgrund eines Solidaritätsaufrufs der IP nahmen auch Mitglieder der IWW (USA) und der FAU Berlin an den Streikposten teil. So gelang es, in Zusammenarbeit mit den Streikenden auf dem Gelände, weitere KollegInnen für den Streik zu gewinnen.
Die Geschäftsleitung von Chung Hong zeigte erneut eine mangelnde Gesprächsbereitschaft. Im Gegenteil: Sie trug noch zur Verschärfung der Situation bei. Nicht nur, dass der Werkschutz und der zusätzlich angeheuerte private Sicherheitsdienst ein provokantes Verhalten an den Tag legten, sie fotografierten und filmten auch alle Streikposten und Streikenden und versuchten, den Aktivisten die Transparente zu entwenden. Als sich weitere Beschäftigte mit den Streikenden solidarisieren wollten und ebenfalls in den Streik traten, wurden sie am Verlassen des Gebäudes gehindert – den Streikenden wiederum wurde verboten, das Gebäude zu betreten und die Toiletten zu benutzen. Die herbeigerufene Polizei, die auf diesen Rechtsverstoß aufmerksam gemacht wurde, ignorierte den Vorfall und verließ den Ort des Geschehens. Infolgedessen kam es zu kleineren Rangeleien zwischen den Streikposten und den Sicherheitsdiensten. Aufgrund einer guten Pressemobilisierung durch die IP waren an diesem Tag zwei Fernsehteams, eine Radiostation und zwei überregionale Tageszeitungen vor Ort, die von den Geschehnissen berichteten und Interviews mit der kämpferischen Belegschaft führten.
Als nach ca. neun Stunden die zweite Schicht in den Betrieb ging, wurde auch diese zum Streik aufgefordert und eine Strohpuppe mit der Aufschrift „Chung Hong Bosse“ abgebrannt, was von den Streikenden und Teilen der Belegschaft mit Beifall bedacht wurde. Auch an diesem Tag ist es gelungen, die Produktion lahmzulegen. Das dürfte die Geschäftsleitung von Chung Hong vor größere Probleme stellen, da – wie Aktivisten der IP berichten – zur Zeit einige eilige Aufträge für LG abzuwickeln sind.
weitere Infos (Englisch):
Homepage der OZZ IP
Wie kannst du helfen?
Inicjatywa Pracownicza (IP) bittet Unterstützer_innen, Genoss_innen, Arbeiter_innenorganisationen und Gewerkschaften die Arbeiter_innen bei Chung Hong Electronics zu unterstützen! Die Firma muss den Druck von unten und von ausserhalb der Fabrik spüren. Die IP bittet deswegen darum den Arbeitskampf mit allen Mitteln zu unterstützen und den Arbeitskampf so bekannt wie möglich zu machen.
Solidarität ist unsere Waffe!
weiter unten hat es einen Enwturf für einen Protestbrief (auf Englisch) den du an die unten stehenden Adressen schicken kannst:
Chung Hong Electronics
YU Yung Tsai - chairman of the board
Innowacyjna 4
55-040 Biskupice Podgórne
chunghong@chunghong.com.pl
dominika.frydlewicz@chunghong.com.pl
LG Electronics Polska Sp. z.o.o.
Don Hyung Kang
Aleje Jerozolimskie 162A
02-342 Warszawa
lge@lge.pl
ewa.lis@lge.com
Agencja Rozwoju Przemysłu S.A.
Industrial Developement Agency
w Warszawie
Oddział w Tarnobrzegu
ul. Zakładowa 30
39-400 Tarnobrzeg
biuro@tsse.pl
Letter of protest
Dear Sir/Madam,
I express my great concern about the current situation in the factory of Chung Hong Electronics in Biskupice Podgórne in the Special Economic Zone near Wroclaw. Chung Hong is abusing basic labour rights and the rights of the union Inicjatywa Pracownicza to run its activity. Workers went on strike, and I want to show solidarity with them.
Chung Hong is an almost exclusive subcontractor of LG Electronics Poland, that is why LG is also responsible for the situation.
Inicjatywa Pracownicza has entered the collective dispute with the employer more that two months ago. However, the employer, claiming that it is only an LG contractor, refuses to meet the basic demands of workers, including a wage increase (the wage is now the lowest in the entire Zone), the restoration of the Social Fund for workers, and others.
Moreover, worker activists are intimidated, harassed and threatened with dismissals. On the 28th of June Krzystzof Gazda was fired on disciplinary ground, a clear violation of Polish labour and union law. The company has sent guards against workers. Such politics of intimidation and the lack of will to find an agreement about any of the union demands shows that the Chinese Chung Hong owners do not recognize the Polish labour law, the law on the settlement of collective disputes, and the freedom of workers association.
I protest against the actions of the Chung Hong owners. I expect a reaction of LG Electronics Poland and Agencja Rozwoju Przemysłu (Industrial Development Agency) against the abuse of labour rights and freedom of association in the Chung Hong factory.
I demand immediate reinstatement of Krzysztof Gazda to work!
Yours Sincerely,
.............................................................
(Name/Organisation/Unterschrift/Datum/Ort)
10.07.12
Roche feuert polnischen Gewerkschafter!
Die Entlassung des Polen Jakub G. hatte sich der Basler Pharmamulti Roche wohl ein bisschen einfacher und ruhiger vorgestellt. Doch seit einem Vierteljahr verfolgt die Geschichte den Konzern um die ganze Welt. An einem Tag taucht sie in Bratislava auf und am nächsten in Melbourne, sogar an ihrem Hauptsitz wird Roche mit Protesten konfrontiert.
Spardruck auf IT_Abteilung
Jakub G. ist Mitglied bei der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft Zwiazek Syndikalistów Polski (ZSP) und arbeitete in der IT-Abteilung von Roche in der Warschauer Niederlassung. Diese Abteilung wurde bereits vor einigen Jahren nach Polen verlagert, um die Kosen für den Konzern niedrig zu halten. Doch nach ein paar Jahren reichte die Einsparung nicht mehr aus und es wurde weiter gespart. Diese Sparübung ging gänzlich auf Kosten der Arbeiter_innen: Statt über normale Verträge direkt bei der Firma, wurden sie als Scheinselbstständige oder über eine Briefkastenfirma angestellt. Durch diese Art der Anstellung verlieren die Arbeiter_innen jegliche Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen, sowie den Anspruch auf bezahlte Ferien/Freitage und Kündigungsabfindungen, welche Festangestellten zustehen.
Entlassen ohne Angabe von Gründen
Jakub wurde am 19. Dezember ohne Angabe von Gründen und fristlos entlassen. Roche weigerte sich übrigens bis zum heutigen Tag einen Grund für die Entlassung zu nennen. Es gibt aber zwei zusammenhängende Vermutungen, wieso er gehen musste. Die erste ist folgende: Am Tag zuvor erschien ein Artikel in einer Tageszeitung, in welchem er namentlich in einem Artikel über die Mieter_innenbewegung in Warschau erwähnt wurde. Diese Bewegung wehrt sich gegen den Verkauf von Häusern mit günstigem Wohnungen an Immobilienspekulanten. Durch diesen Artikel wurde den Chefs bei Roche bewusst, dass sie unter den prekär Angestellten ein Mitglied einer kämpferischen Gewerkschaft haben. Die zweite Vermutung geht von dort aus: Da die ganze IT-Abteilung, wie jetzt bekannt wurde, ausgelagert werden soll, mussten alle potenziellen "Unruhestifter_innen" aus der Belegschaft entfernt werden - und Jakub war der Firma ja jetzt sogar namentlich bekannt.
Weltweite Solidarität
Jakub kämpft seit dem Dezember gegen seine Entlassung und für die Rechte der prekärisierten IT-Arbeiter_innen. Er fordert dass Roche nicht nur ihm rückwirkend alle Arbeitgeberbeiträge an Sozialversicherungen und Lohnzuschläge nachbezahlt, sondern fordert dies und die Einführung dieser Zahlungen auch für seine ehemaligen Arbeitskolleg_innen.
smf
weitere Infos: Roche entlässt Gewerkschafter
Homepage der ZSP19.04.12
Solidarität mit den streikenden ABB-Arbeitern in Córdoba!
34 Temporärabeiter_innen des Dienstleitungsunternehmens EULEN, die seit Jahren für den schweizerisch-schwedischen Maschinenbauer ABB (in Córdoba) arbeiten, befinden sich seit dem 28.11.2011 in einem unbefristeten Streik für gleichen Lohn. Obwohl sie die gleiche Arbeit wie ihre Mitarbeiter_innen gemacht haben, erhielten sie nur den Mindestlohn und ihnen wurden weniger Rechte zugestanden.
Jetzt hat ABB den Vertrag mit EULEN gekündigt und billige Leiharbeiter_innen als StreikbrecherInnen von Eurocen/ADECCO angeheuert. EULEN hat die Mitglieder des Streikkomitees sowie sämtliche Gewerkschafter_innen unter den Streikenden entlassen. In Spanien werden die Streikenden von den Gewerkschaften CNT und CGT unterstützt.
Dem Aufruf der CNT Solidaritätsaktionen durchzuführen, ist auch die FAU Bern gefolgt. Eine Aktion gab es bereits am 07. Februar bei den Büros von Adecco im Wankdorfstadion. Die Wenigen, welche bei klirrender Kälte zu Adecco wollten, wurden mit Flugblättern und dem Transparent mit der klaren Botschaft "Adecco = Streikbrecher!" empfangen.
Weitere Aktionen werden noch folgen.
Die IAA rufte für den 17. Februar zu einem weltweiten Unterstützungstag auf: Aufruf auf der IAA-Homepage (Englisch)
weitere Infos zum 17.02.: Europaweite Solidarität mit Eulen/ABB-Arbeiter_innenSolidaritätsaktionen der FAU und der ZSP
16.02.12
Hundert Jahre GAV - ein Anlass zum feiern?
Vor hundert Jahren wurden in der Schweiz die Gesamtarbeitsverträge eingeführt, dies musste am 24. November 2011 natürlich ausgiebig gefeiert werden. Die Arbeitgeberverbände und die Arbeitnehmerverbände, die sogenannten „Sozialpartner“, sassen in einträchtiger Seligkeit nebeneinander im Festsaal und lauschten stolz und ergeben einer Rede vom Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (der selber auch Unternehmer ist). Schneider-Ammann sprach davon, dass schlussendlich jeder GAV auf einer sozialpartnerschftlichen Vertrauensbasis beruhe. Dieses Vertrauen könne aber nicht einfach eingefordert werden, es müsse immer wieder neu verdient werden: „Vertrauen schenkt man sich dann, wenn man sich aufeinander verlassen kann“.
Dieser Satz stimmt in jeglicher Hinsicht. Aber nur wenn wir uns vergegenwärtigen für wen. Die Arbeitgeber_Innen sind in den letzten Jahren mehr als sonst bemüht Verträge zu unterlaufen (wie zum Beispiel Die Post und die ewb (-> di schwrzi chatz #15) auf ihren Baustellen), Löhne zu kürzen (wie der Baumeisterverband dies im neuen LMV (-> di schwarzi chatz #15) versucht), die Löhne in Euro auszuzahlen (wie es zum Beispiel die Mopac (-> work Online) versuchte) und Arbeiter_Innen trotz guten Geschäftszahlen zu entlassen (wie aktuell gerade Huntsman und Novartis) oder kurz gesagt: ihr Geschäftsrisiko auf die Arbeiter_Innen abzuwälzen. Wie kann da von „Vertrauen“ von „fair“ und von „Sozialpartnerschaft“ gesprochen werden?
Unter den Arbeiter_Innen steigt auf Grund dieser Verarschungen und Wortbrüchen immer mehr der Unmut, es entstehen deswegen Ansätze selbstverwalteter Arbeitskämpfe (wie in Deisswil und Domat/Ems (-> di schwarzi chatz #11)) und immer mehr können die Zentralgewerkschaften den Ruf nach Streik nicht unterdrücken. Trotzdem gehen in der Schweiz, wie die NZZ freudig festhält, „äusserst wenige Arbeitstage durch Streiks verloren.“
Auf wen bezieht sich also der Satz des Bundesrats? Es bleibt noch eine dritte Partei übrig: Die Zentralgewerkschaften. Auf sie ist Verlass, ihnen können die Arbeitgeber_Innen und sollen die Arbeiter_Innen Vertrauen. Sie wahren den sozialen Frieden der Arbeitgebenden, der laut Schneider-Ammann „ein wichtiger Vorteil für den Wirtschaftsstandort Schweiz ist“. Die krude Ideologie dieser „Gewerkschaften“ offenbart sich in besonders absurder Weise auf der Homepage des Schweizerischen Papierarbeiterverbands (SPV): So sind zum Beispiel die Gewinne der Bosse wichtiger, als die Solidarität mit streikenden finnischen Arbeiter_Innen: „Betont doch der Chef von M-real Biberist Nicolas Mühlemann zu Fragen betreff[end] dem Streik in Finnland: 'Diese Situation bringt wieder einmal einen wesentlichen Vorteil der Schweiz zum Vorschein: den Arbeitsfrieden! So ein Szenario ist in unserer Fabrik kaum vorstellbar. Ich bin überzeugt, dass sich damit auch unsere Position innerhalb des Konzerns erneut stärkt! Man könnte also sagen, dass wir vom Streik auf zwei Arten profitiert haben.'“
Der SPV ist so sehr im Denkschema der Bosse gefangen, dass auf ihrer Homepage sogar folgende Sätze stehen: „Eine Gewerkschaft mit zuviel Macht kann einen Betrieb ruinieren. Auch hier gilt Mitbestimmen heisst auch Mitverantwortung und Mitbezahlen. Welche Gewerkschaft kann das heute noch?“
Doch auch wenn die Gewerkschaften weniger von den Firmen gesteuert werden, als der SPV, ändert sich das Bild kaum. Die grösste Zentralgewerkschaft in der Schweiz die Unia, die Neumitglieder fast nur über ihre Rechtsschutzversicherung anlocken kann, leistet sich fast ebenso drastische Wortbrüche gegenüber den Arbeiter_Innen, wie die Arbeitgebenden. Von der Belegschaft der Karton Deisswil wurde zum Beispiel ein Blankomandat gefordert, um einen „guten und vorbildlichen“ Sozialplan zu verhandeln. Im Endeffekt hat bis heute noch niemand den Sozialplan gesehen, geschweige den ganzen Wortlaut gelesen. Und ausgezahlt wurde der Sozialplan auch niemandem, da dieser anscheinend extrem lückenhaft ist. (Nachzulesen in: Der geplante Tod einer Fabrik)
Was bleibt also zu feiern an den GAV? Das Streikverbot? Das gnädigerweise instiutionalisierte Recht Kollektivverträge zu erkämpfen? Dass die GAV theoretisch nicht unterlaufen werden dürften? Zu feiern gibt es zum Thema GAV nur für andere: Für die Bosse, die in Ruhe von unserer Arbeitskraft profitieren dürfen und für die oberen Gewerkschaftsfunktionäre, die sich dank GAV ihren nicht gerade mageren Lohn finanzieren können.
smf24.11.11

"Echtzeit" Internet-Überwachung ab 01.08.09
"Der Staat liest Diskussionen in Chats oder Einträge in Foren mit, hört bei Gesprächen über Dienste wie Skype mit oder guckt zu, sobald die Person eine Webcam aktiviert."--> WOZ | indymedia | Heise | inside-it.ch | blogg.ch | fuellhass | NZZ | Tagesanzeiger
Dagegen KANN nützen: Dienste immer nur verschlüsselt ansprechen, E-Mail/Chat/... Verschlüsselung verwenden, sich informieren und Leute darauf aufmerksam machen, Projekte wie nadir.org, so36.net, riseup.net, autistici oder immerda moralisch, technisch, finanziell oder andersweitig Unterstützen usw. Danke!
25.07.09
Berichte zur globalen Krise
INTERNATIONAL
Die Zeitschrift Wildcat hatte Leute in verschiedenen Ländern gebeten, ihre Beobachtungen zu den Auswirkungen der Krise aufzuschreiben. Die bisher veröffentlichten Berichte haben wir hier verlinkt, weitere werden folgen.
England - »Die Arbeitsplatzverluste haben noch nicht einmal richtig angefangen.« - und: »Anti-soziale Solidarität« (kompliziert)
Rumänien - Die Rückkehr der »Erdbeerpflücker«
Kalifornien - Leben mit der Krise
Indien - Die globale Krise in Indien
Spanien - Backsteine, Blasen und Bankrott
Polen - Exportplattform im Sturzflug
China - China in der Krise: Grund zur Panik?
»Das Auto am Ende« - Zur tiefen Krise der Autoindustrie und des Autos an sich.
Weitere Berichte hat's in der aktuellen Ausgabe der Wildcat (kann per Email bei uns bestellt werden).
SCHWEIZ
Die Wochenzeitung WOZ führte in verschiedenen Kantinen Gespräche mit betroffenen ArbeiterInnen. Wir haben diese Kantinengespräche hier verlinkt, weil wir sie sehr interessant und wichtig finden:»Bummeln liegt nicht drin« - Über den Arbeitsdruck eines Tramchauffeurs, einer Spitexpflegerin und einer UBS-Verwaltungsrätin.
»Da tickt eine soziale Zeitbombe« meint ein RAV-Berater im Interview mit der WOZ.
»Wenn das Vertrauen erodiert« - Gespräch mit Mitarbeitern der Georg Fischer AG (Metallindustrie) über anstehende Massenentlassungen.
»Alle auf Koks?« - Gespräch mit einem entlassenen Versicherungskaufmann der Swiss-Re.
»Ohne Dächlikappen, ohne Fahnen« - Über Entlassungen bei der Basler Zeitung.
»Wenn der Faden reisst« - Über Entlassungen bei der Textilmaschinenfabrik Benninger in Uzwil und die Krise in der Textilbranche. Update: Ende April 09 wurde Interviewparter Ernst G. aufgrund des Interviews entlassen!
»Weihnachtsguezli an Ostern« - Die zunehmende Verarmung bringt Caritas-Märkten Rekordumsätze ein: Seit 2006 hat sich die Zahl ihrer KundInnen verdoppelt.
»Blaue Lippen, rote Nasen« - Ein Vermögensverwalter berichtet von seinem Job.
»Als schlanke Braut zur Post« - Eine Zeitungsausträgerin der Zuvo AG berichtet. Die Firma will 2261 ArbeiterInnen die Löhne massiv kürzen.
Sehr empfehlenswert auch:
Wildcats »23 Thesen zur kapitalistischen Krise«
Der Blog global revolt mit einer knackigen Broschüre zum download
...und immer wieder Welt in Umwälzung mit täglich aktualisierten Berichten von sozialen Kämpfen in Asien.
21.02.09
Der geplante Tod einer Fabrik. Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil
Das 'Netzwerk Arbeitskämpfe' hat bereits in Dezember 2010 ein sehr interessantes Buch zum Kampf um die Kartonfabrik Deisswil herausgebracht. Es beleuchtet die Hintergründe der Schliessung und die Wahrnehmung des Kampfes durch die Arbeiter.
Jemand kauft eine Fabrik und verpflichtet sich, sie nicht zu betreiben. Eine funktionierende, rentable Kartonfabrik mit einer hoch motivierten Belegschaft, die keinen Karton mehr herstellen darf. Was wie eine erfundene Geschichte anmutet, hat sich im Frühsommer 2010 im bernischen Deisswil in der Schweiz genau so abgespielt.
Das Buch «Der geplante Tod einer Fabrik - Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil» zeichnet diese Geschichte nach. Das Herzstück besteht aus Gesprächen mit elf Arbeitern der ehemaligen Karton Deisswil AG.
Netzwerk Arbeitskämpfe: Der geplante Tod einer Fabrik. Der Kampf gegen die Schliessung der Karton Deisswil, a propos Verlag Boll 2010, 225 Seiten. Preis: 13.50 - ISBN 978-3-905984-02-6
Erhalten könnt ihr das Buch über den Buchhandel oder direkt beim a propos Verlag.
20.11.10
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