Aufruf zur Schweizweiten Mobilisierung von Student*innen und Lernenden - FAU-Bern - DE

AUFRUF zur schweizweiten Mobilisierung von Student*innen und Lernenden


Garantien für unsere Zukunft und für eine realistische und gerechte Politik bei Prüfungen
und der Anerkennung von Abschlüssen und Zeugnissen



Unterschiedliche Situationen, ähnliche Realitäten: Eine Stimme!


Die Corona-Krise trifft die Bevölkerung hart, und wir, Menschen in Ausbildung, bilden keine Ausnahme. Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt und unsere Ausbildung wird zusammen gestutzt... Es ist so gut wie unmöglich, ja grenzt ans Absurde, unsere Ausbildung unter den
Bedingungen fortzusetzen, die jetzt vorgeschlagen werden. Wir weigern uns, diese Krise mit unserer Gesundheit oder mit einem zusätzlichen Jahr unseres Lebens zu bezahlen: Wir haben nichts damit zu tun!


Wir wollen uns bilden – wir lieben es, uns zu bilden. Aber gegenwärtig empfinden wir die von unseren Aus- und Bildungsinstitutionen, den Kantonen und dem Bund ergriffenen Massnahmen als keineswegs zufriedenstellend.


Die aktuell diskutierten oder vorgesehenen Vorschläge zum Umgang mit dem Lockdown an Universitäten, Polytechnischen Hochschulen, Fachhochschulen (FH), Pädagogischen Hochschulen (PH) und Höheren Fachschulen (HF), wie ungenügende Noten zu ignorieren, die Möglichkeit Prüfungen nicht zu schreiben oder die Verlängerung des Studiums, sind nicht an unsere Lebensrealitäten angepasst. In den Gymnasien ist immer noch alles unklar, aber die "Anpassungen" werden offensichtlich gleich wie in den anderen Ausbildungsinstitutionen sein: Beibehaltung der Prüfungen, Ausnahmen davon nur bei Einzelfällen


Es wird in dieser Krise keine "pädagogische(r) Wahrung/Fortbestand
" geben: Es gab einen offenen und deutlichen Bruch dieser. Daran ändert auch die Aufrechterhaltung der Prüfungsprozesse nichts. Die Prüfungsprozesse ohne die Aufrechterhaltung der theoretischen, resp. schulischen Ausbildungseinheiten ist vielmehr illusorisch und fehl am Platz.


Nicht alle Schweizer Ausbildungen werden gleich behandelt: In der sogenannten "höheren" Bildung wird rumgedruckst, es wird viel von der Qualität der Diplome, vom Unterrichtung der Notwendigkeit von benoteten Beurteilungen gesprochen; im Falle der Berufslehre wird dies jedoch anders gehandhabt.


In den Berufsschulen werden die Diplome den Absolvent*innen einer Berufslehre am Ende des Kurses ohne theoretische und manchmal auch ohne praktische Prüfung verliehen. Die Botschaft ist klar: Bei dieser Kategorie von Auszubildenden braucht man in Sachen Qualität nicht wählerisch zu sein - all dies ist zweitrangig, denn der Arbeitsmarkt wartet nicht auf diese neuen Arbeitskräfte! Aber diese Sonderregelung hat in sich wiederum Sonderregelungen zur Folge: Denjenigen, welche vor der Krise ungenügende Noten hatten, wird die Chance verwehrt, durch das letzte Semester und die Abschlussprüfungen den Lehrabschluss zu erreichen. ... Dies ist ein Skandal, doch er steht als solcher nicht alleine.


Berufslernende im dualen System, das in vielen Sektoren die Regel ist, arbeiten auch während dieser Krise weiter, manchmal sogar mehr als sonst, ohne angemessene Bezahlung und ohne, dass die praktische und schulische Ausbildung ergänzend fortgeführt wird. Andere Auszubildende - Student
*innen im pädagogischen Bereich (beispielsweise in Schulen); Student*innen im Gesundheits- und Sozialbereich - werden den Arbeitgeber*innen einfach als Praktikant*innen zur Verfügung gestellt. Über die Anerkennung dieser Erfahrungen und die Entlöhnung verlieren die Ausbildungsverantwortlichen natürlich und schändlicherweise kein Wort – oder es werden gegenüber den Auszubildenden Versprechen gemacht, die nicht eingehalten werden.
Wir alle, Lernende/Berufslernende, Auszubildende und Student*innen, sind guten Willens. Wir werden auf hohem Niveau ausgebildet sein, egal was in diesem Semester passiert.


Keine halben Sachen oder Pseudolösungen: Es braucht Zusicherungen!


Wir wollen weder Lösungen von "Fall zu Fall", noch eine Politik der Ausnahmen: Wir alle erleben eine aussergewöhnliche Situation, dazu benötigen wir gleichwertige Massnahmen für uns alle. Deshalb fordern wir:

1) Garantie, dass alle ECTS-Punkte/Lehrveranstaltungen dieses Semesters anerkannt werden (mit möglicher Bewertung für diejenigen, die dies wünschen, und dem Recht, dies auch aufzuschieben);
2) Finanzielle Garantien: In diesem Semester gab es einen quantitativen Rückgang der verfügbaren Ressourcen, welche ergänzend einer Ausbildung zur Verfügung stehen (Bibliotheken, Druck, Ausrüstung usw.) und eine generelle Zunahme der Prekarität
, die durch eine mindestens teilweise Rückerstattung der Semestergebühren ausgeglichen werden muss;
3) Garantie, dass niemand von uns negative Folgen der Krise
zu spüren bekommt. Insbesondere Folgendes muss gewährleistet werden: Unveränderte Ausbildungsdauer; die Fortsetzung der Ausbildung; der angepasste Zugang zu finanzieller Unterstützung durch bestehende sozialstaatliche Gefässe, insbesondere durch die Verlängerung und einen erleichterten Zugang zu zusätzlichen Stipendien;
4) Garantie, dass unsere Arbeit und unser Einsatz als Lernende bei der Bewältigung dieser Krise in vollem Umfang anerkannt und entschädigt wird, mindestens entsprechend den drei oben genannten Garantien
.


Wir sind vereint, weil wir solidarisch sind, und unsere individuellen Schwierigkeiten das Ergebnis ein und derselben Ausnahmesituation sind. Wenn wir die oben genannten Garantien nicht flächendeckend und für alle zugänglich erhalten, werden wir die notwendigen Massnahmen ergreifen, um unserer Stimme Gehör zu verschaffen.

FAU Bern, SUD Education

Einzelunterzeichner*innen finden sich unter:

http://www.action-education.ch/fr/

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