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WAS Wien kämpft gegen Entlassung eines Gewerkschaftsmitglieds

Die Basisgewerkschaft Wiener Arbeiter*innenSyndikat WAS kämpft gegen die Kündigung eines Gewerkschaftsmitglieds. Der Fall beweist, dass selbst Betriebe, welche der Sozialdemokratie und den Systemgewerkschaften nahe stehen, nicht vor Entlassung von Gewerkschaftsaktivist*innen zurückschrecken. Unten das Statement des WAS.

„Unsere Kollegin war über sieben Jahre bei Jugend am Werk beschäftigt. Es hat in dieser Zeit keinerlei Verfehlungen von ihrer Seite gegeben. Allerdings war sie in einem Frauenstreikkomitee und eben in unserer Gewerkschaft aktiv, was der Geschäftsführung möglicherweise nicht gefallen hat. Es ist sehr gut möglich, dass das mit ein Grund für die Kündigung war.

 

Neuer Chef verschlimmert Situation

Doch wirklich problematisch wurde es erst, als sie im September letzten Jahres einen neuen Chef bekommen hat, der meinte, sich nicht an Arbeitsrecht und vorherige Vereinbarungen halten zu müssen. Unsere Kollegin hat ihn erst auffordern müssen, sich an die Gesetze zu halten, was eigentlich selbstverständlich sein sollte; zudem hat sie im Vertrauen einen sechs Jahre zurückliegenden Mobbing-Fall gegen sie erwähnt, um die Dringlichkeit der Einhaltung des Arbeitsrechts aufzuzeigen. Was danach passiert ist, steht unserer Ansicht nach in völligem Widerspruch zu der von Jugend am Werk selbst formulierten Betriebsvereinbarung über „partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“. Es gab eine Täter-Opfer-Umkehr; unsere Genossin wurde als die Schuldige gesehen und es gab für sie nur Zurechtweisungen seitens der Firma, Anrufe in ihrer Freizeit, das Herbeizitieren zu Gesprächen, wobei sich die Chefs geweigert haben, im Vorhinein zu sagen, worum es geht, kurzum: lauter Maßnahmen, die von unserer Genossin als extrem belastend und nur als Druckaufbau und Psychospielchen wahrgenommen wurden.

 

Fadenscheinige Gründe für fristlose Kündigung

Als unsere Kollegin sich bei der Geschäftsführung beschwerte und einen angemessenen Umgang forderte, war die Antwort die Kündigung. Doch selbst dem ging noch ein unwürdiges Spiel voraus, bei dem zuerst versucht wurde, eine fristlose Entlassung durchzudrücken und dabei die absurdesten Gründe konstruiert wurden, um das zu rechtfertigen. Nachdem das nicht erfolgreich war, hat Jugend am Werk schließlich Dezember 2019 die Kündigung mit Kündigungsfrist ausgesprochen, wofür man keinen Grund braucht. Gegen diese Kündigung wurde von Seiten der Kollegin Klage beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht. Die Leitungsebene von Jugend am Werk ist weiterhin der Ansicht, dass sie sich völlig korrekt verhalten haben und dass dieses unmenschliche und – unserer Ansicht nach – rechtswidrige Verhalten völlig normal ist.

 

Betrieb nahe an der Sozialdemokratie

Jugend am Werk ist personell eng mit SPÖ, Gemeinde Wien, Arbeiterkammer und Gewerkschaften des Östereichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB verbunden. So sind im Vorstand des Vereins Jugend am Werk Nina Abrahmaczik, Landtagsabgeordnete der SPÖ in Wien, zudem Stephan Schlögl von der PRO-GE und Bernhard Schmid von der Gewerkschaft Bau-Holz. Zum Vorstand beigezogen ist Christian Deihsen von der Arbeiterkammer Wien. Dem Aufsichtsrat der Sozialraum GmbH, für die unsere Kollegin gearbeitet hat, gehören neben der bereits erwähnten Frau Abrahamczik auch Katharina Schinner-Krendl und Marcus Gremel, beide ebenfalls Landtagsabgeordnete der SPÖ in Wien, an.

Wir fragen uns: wie passt das oben erwähnte Verhalten mit den Slogans von sozialer Gerechtigkeit und Arbeiterrechten zusammen, die ja SPÖ und ÖGB immer wieder so gern hochhalten? Ist Jugend am Werk, dieser „soziale Betrieb“, der behinderten Menschen hilft, möglicherweise am Ende nur ein kapitalistischer Ausbeuterbetrieb wie jeder andere auch? Ist es normal, dass in solchen der Sozialdemokratie und der Stadt Wien nahestehenden Betrieben gewerkschaftlich engagierte Arbeiterinnen, die die Einhaltung von Arbeitsrecht fordern, einfach ohne Grund gefeuert werden, nachdem zuvor die Suche nach Gründen schiefgegangen ist? Ist all das normal?“

Die FAU Bern verurteilt diese ungerechtfertigte Kündigung aufs schärfste und solidarisiert sich mit der betroffenen Person.

Angehängt findet ihr sowohl unser Protestschreiben wie auch eine Vorlage eines Protestschreibens. Protestschreiben gerne an die Fax-Adresse oder aber per Mail an office@jaw.de oder pr@jaw.de

 

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