Schwarzi Chatz #59: Juli-August-Ausgabe Online

Aus dem Inhalt:

• Über den feministischen Streik hinaus

Der feministische Streik am 14. Juni war massiv. Über eine halbe Million Menschen fanden sich auf den Strassen der Schweiz wieder, um die Emanzipation und Gleichberechtigung aller Geschlechter voranzutreiben. Doch was kommt nun? Sowohl der Druck wie auch die Organisation müssen aufrechterhalten werden
 
• Sudan: Militär stellt sich gegen die Revolution

Der Diktator Al-Bashir wurde im April "abgesetzt", doch seither hält das verbündete Militär die Macht inne. Die Proteste gehen daher weiter, trotz massiver Repression und Internetsperren. Denn die Bevölkerung will weiterhin Freiheit und nicht einfach neue Diktatoren auf dem alten Thron.
 
• "Du besitzt ein Smartphone, wie kannst du gegen den Kapitalismus sein?"
 
Aktivist*innen, welche ein leben innerhalb des Kapitalismus führen, werden oft genau dafür kritisiert. Doch wirkungsvolle Alternativen gibt es nicht. Die Gesellschaft lässt sich nur innerhalb derselben revolutionieren.
 
"Solidarität statt Angst"

Auch im Gefängniswesen herrscht Ausbeutung. Genau dagegen geht die Gefangenengewerkschaft / Bundesweite Organisation GG / BO vor und organisiert Menschen hinter Gittern. Interview mit einem Aktivisten
 
Gewerkschaften und Tarifverträge Teil 2

Teil 2 der Serie behandelt den Aufstieg und Fall der Gewerkschaft Knights of Labour in den USA. Ihre Taktik der Zentralisierung von Streiks half auch ihr nicht weiter.

 

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Kunstmuseum zieht Entlassungen zurück

Das Neubau Kunstmuseum in Basel hatte zwei Mitarbeiter*innen aufgrund des feministischen Streiks am 14. Juni entlassen.

Die beiden Frauen* verliessen angekündigt auf die Grossdemonstration hin den Betrieb. Das Kunstmuseum schreibt, die beiden Mitarbeitenden hätten die Teilnahme doch früher anmelden sollen als gleichentags. Zudem habe man das Vertrauen in die beiden Menschen verloren. 

Dem Kunstmuseum ist wohl nicht ganz klar, was streiken heisst. Vielleicht sollte mensch es ihnen erklären. Zum Beispiel durch mehr Streiks.

Eine Solidaritätskundgebung fand am 22. Juni statt. Durch die Berichterstattung und die vielen Solidaritätsbekundungen mit den beiden Entlassenen sah sich das Kunstmuseum Neubau in Basel schlussendlich gezwungen, die Entlassungen wieder zurückzunehmen.

Anscheinend hatte auch der Regierungsrat Druck auf die Leitung ausgeübt.

Die FAU Bern freut sich, dass die Solidarität nach dem feministischen Streik immer noch da ist und in diesem Fall sogar zur Rücknahme der Kündigungen führte.

Weiter so!

 

 

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Feministischer Streik 2019

 

Es zeichnete sich schon seit Monaten ab: der feministische bzw. Frauen*-Streik am 14. Juni würde gross werden. Doch die schieren Ausmasse, welche nun der politische Streik- und Protesttag erreicht hat, hat wohl sogar die dezentral organisierten Streik-Kollektive überrascht.

Hunderttausende sind der Mobilisierung gefolgt. Erste Schätzungen gehen von der wohl grössten landesweiten Mobilisierung in der Geschichte aus. Hunderttausende haben ihre eigenen Forderungen auf die Strasse gebracht.

Diese reichten von Problemen am Arbeistplatz über die schiere Masse an unbezahlter Arbeit, welche ungleich verteilt ist bis hin zu der Forderung, Abends ohne Angst alleine nach hause laufen zu können. Es war ein grosser, lauter und breit abgestützter Streiktag.

So breit wie die Mobilisierung war, so breit waren auch die Aktionsformen. Blockaden, Sitz-Streiks, verlängerte Pausen, Bummelstreiks, Kinderwagen-Demos, Farbanschläge etc. Wir sind begeistert.

In der ganzen Stadt wurden Strassennamen abgeändert. Dies als Protest, dass in der Öffentlichkeit fast ausschliesslich die Verdienste von Männern gewürdigt werden.

Mehr als nur Arbeit

Auch wenn Lohnungleichheit Teil des Problems ist, geht Sexismus bei der Arbeit noch weiter: Sexistische Anmache, Belächeln und Geringschätzung der Leistung sind nur einige Beispiele.

Andererseits schaffen es manche vom Patriarchat Betroffenen erst gar nicht zu einer Arbeitsstelle. Weil ihnen die Kinder aufgedrückt werden, welche sie manchmal gar nicht wollten; weil sie keine Papiere haben; weil es sich für sie «mehr lohnt», wenn andere Arbeiten gehen.

Es geht hier also nicht nur um Arbeit, es geht auch um die Scheisse in unseren Heimen, unseren Beziehungen und in unseren Köpfen.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wer gemeinsam kämpft, kann gewinnen. Der feministische Streik 2019 hat jedoch gezeigt, dass wir viele sind.

Dies ist erst der Anfang. Organisiert euch und bleibt organisiert.

Die FAU Bern solidarisiert sich ausdrücklich mit den Anliegen des feministischen Streiks 2019

 

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Auf zum feministischen Streik am 14. Juni!

 

 

1991 trat eine halbe Million Menschen in den 1. Frauenstreik, um gegen die Untätigkeit von Staat und Gesellschaft zu protestieren. Seither schleicht die Schweiz weiter in Schneckentempo Richtung Gleichstellung. Daher rührt sich erneut Widerstand auf den Strassen: am 14. Juni kommt es erneut zum Streik. Doch seither treiben auch neue Fragen die Bewegung um: Wie werden Migrant*innen, Trans- und andersdefinierte Menschen einbezogen? Und in welchem Verhältnis will die lokal organisierte Bewegung zu den Zentralgewerkschaften  und den Parteien stehen? Denn diese agieren bereits mit Blick auf die Wahlen im November...

 

Die FAU Bern ruft zur Teilnahme und Unterstützung des Streiks auf.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Schon nur in Bern gibt es verschiedene Ortsgruppen und:

- das Frauen*streikkollektiv Bern (www.frauen-streiken.ch)

- die Unterstützunggruppe (Kontakt unter soli(ät)frauenstreiken.ch)

-  eine anarchistische Beteiligung in der Lorraine (weitere infos auf www.anarchistisch.ch/anarchistische-beteiligung-am-frauenstreik/).

Diese Liste ist längst nicht abschliessend. Denn generell laufen bereits verschiedene Initiativen in Betrieben oder auch anderen Gruppen. Und wenn es noch nichts in deinem Umfeld gibt: Warum nicht etwas anreissen oder dich mit Frauen* und Anderen kurzschliessen?

 

Und falls du noch Wissen brauchst:

In der Schwarzen Chatz #57 findest du einen Artikel zum Streik 1991, in der letzten Ausgabe #58 handelt der Frontartikel vom diesjährigen Streik, dessen Schwierigkeiten und Notwendigkeit.

 

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Nicht beladen in Le Havre und Santander, bestreikt in Genua: Die Irrfahrt der Bahri Yanbu – keine neuen Waffen für saudische Kindermörder*innen. Dafür Blamagen fürs Waffenhändler-Personal…

Weder in Frankreich, noch in Spanien war der Kahn der staatlichen saudischen (Kriegs)Handelsgesellschaft Bahri mit neuer tödlicher Fracht beladen worden – auch in Genua weigerten sich nun die Docker*innen „ihre Arbeit“ zu tun. Menschenrechtsorganisationen und Friedensgruppen hatten in allen drei Ländern – zusammen mit Basis-Gewerkschafter*innen – mit Kampagnen, Aktionen und juristischen Einsprüchen die Beladung verhindert. Die politischen Mandatsträger*innen gerieten in Zugzwang – und nahmen Zuflucht zu peinlichen Erklärungen. Herr Macron meinte, Waffen aus Frankreich würden vom saudischen Regime gar nicht oft im Jemen eingesetzt, sondern meist im Land selbst. Was selbst in wenig kritischen Medien die Überlegung hervorrief, ob der feine Herr damit meine, Saudis abschlachten sei okay. Mindestens genau so „gut“ der spanische Außenminister: Die Waffen seien nur für eine Ausstellung in den Vereinigten Arabischen Emiraten gedacht. Neben Exponaten wie abgeschnittenen Köpfen vielleicht? Die Ereignisse der beiden letzten Wochen machen wieder einmal deutlich, wie bedingungslos die europäischen Regierungen ihre liebste Mörderbande unterstützen, selbst um den Preis der Peinlichkeit fürs Personal.

weitere Infos findet ihr auf www.labournet.de

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